Dienstag, 20. Dezember 2005
Sarah's Bericht über die ÖM und ÖJM 2006:
Die österreichische Senioren-Staatsmeisterschaft:
Ganze 5 Tage habe ich im Rahmen der Staatsmeisterschaften und Juniorenstaatsmeisterschaften in Innsbruck verbracht und es gibt einiges zu berichten.
Als erster Wettkampf standen die Senioren-Staatsmeisterschaften an und von uns reisten Astrid, ich und Claudia nach Innsbruck.
Dass die Senioren-Meisterschaften nur noch in einem sehr kleinen Rahmen stattfinden, ist man seit ca. 5 Jahren gewöhnt, jedoch ist es immer wieder erschreckend, dass mit Müh und Not ungefähr 10 Läuferinnen bei den ÖM starten. Auch dieses Mal traten nur 8 Läuferinnen an. Es fehlten die Vorjahressiegerin Karin Brandstätter und vor allem auch unsere Katrin, die durch ihren Sieg bei den ÖJM letztes Jahr ebenfalls startberechtigt gewesen wäre, jedoch nach ihrer langen Verletzungspause erst jetzt wieder mit dem Training beginnen kann.
Noch trauriger (im Sinne der Anzahl an Läufern) sah das Starterfeld bei den Herren und bei den Eistänzern aus. Durch die Zusammenlegung der Senioren- und der Juniorenmeisterschaften trat bei den Herren nur Viktor Pfeifer an. Alle weiteren Herren hatten sich entschieden nur bei den Junioren anzutreten (Manuel Koll, Zabato Bebe). Der Vize-Meister aus dem Vorjahr, Christian Rauchbauer, blieb verletzt in Wien.
Viktor Pfeifers Sieg wäre wahrscheinlich sowieso für keinen der weiteren Herren zu verhindern gewesen, aber der Rahmen wäre ein anderer gewesen und auch ein Vize-Meistertitel ist nicht zu verachten.
Noch einsamer als Viktor stehen in AUT jedoch die Tänzer da. Barbora Silna und Dimitrij Matsjuk hätten nicht einmal einen möglichen Konkurrenten gefunden, denn sie sind bei weitem das einzige österreichische Eistanzpaar, das auf annähernd internationalem Niveau läuft. Umso bemerkenswerter ist es, dass beide durchaus gute Leistungen bringen und engagiert trainieren, obwohl ihnen die nationale Konkurrenz und dadurch der interne Kampf fehlen.
Diese Staatsmeisterschaften waren die ersten österreichischen Meisterschaften, die mit dem NJS gewertet wurden. Viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten zuvor schon Erfahrungen mit diesem Wertungssystem, international und national (Lentia Cup), gesammelt und wussten was sie erwartet.
Was dann aber geschah, hätten sich weder Läufer, Trainer noch Verantwortliche vorstellen können.
Das System entpuppte sich als System der Pannen, ewig lange Wartezeiten entstanden, die Läufer mussten ewig aufwärmen und mehrmals die Eisschuhe an- und ausziehen. Die Verzögerungen waren immens und das Kurzprogramm der 8 Damen zog sich über 3 Stunden.
Obwohl alle zuständigen Personen engagiert versuchten, das System endlich zum fehlerfreien Arbeiten zu bewegen, stürzte dieses andauernd ab und brachte so manchen Verantwortlichen und auch alle anderen zur Verzweiflung.
Andrea Kreuzer, Kerstin Frank und ich hatten im Kurzprogramm noch das Glück gehabt die ersten 3 Startnummern zu ziehen und deswegen zwar sehr verspätet aber noch in einem halbwegs vorbereiteten Zustand unsere Kurzprogramme zu laufen. Doch nach mir und vor der 4ten Läuferin, Ying-Yu Liang, stürzte das System erneut ab.
Man ließ Ying-Yu lange Zeit am Eis stehen, bis man sie erneut mit der nächsten Gruppe, nach einer weiteren Wartezeit, einlaufen ließ.
Die 2te Einlaufgruppe zog sich, immer wieder gab es Probleme und die ganze Situation war sehr nervenaufreibend.
Stand nach dem KP:
1. Freudelsperger Kathrin (3T+2T, 2A, 2S mit -1 bis -3 (Salchow wurde downgegradet, war 3fach versucht), Pirouetten auf Level 3-4)
2. Kreuzer Andrea (3S+1T mit -1 bis -2, 2A, 3T mit -1 bis -2, Pirouetten auf Level 2 und 3)
3. Mangi Astrid (2S+2T (Salchow 3fach gesprungen und downgegradet), 2A gestürzt, 2Ritt (falsches Element), Pirouetten Level 2 und 3, höchste Components-Wertung)
4. Kögl Denise (2R gestürzt (Ritt 3fach gesprungen und downgegradet), 3S mit -2, 2A mit -2, Pirouetten mit Level 1,2 und Kombi mit Level 4)
5. Mooslechner Sarah (2A, 3S+2T, 2T gestürzt (3fach und downgegradet), Pirouetten Level 1 und Layback Level 2)
6. Luftensteiner Anni (2T+2T (falsches Element), 1A (falsches Element), 2S (leider nicht gesehen und deswegen kA ob downgegradet oder falsches Element), Pirouetten auf Level 1 und 2)
7. Frank Kerstin (2A mit -1 bis -2, 2S+COMBO mit -1 bis -2 (3fach gesprungen, downgegradet. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie vorgestiegen ist und eine Sprungfolge mit 2Toeloop gesprungen ist), Pirouetten auf Level 3)
8. Liang Ying-Yu (2A, 2S mit -2 bis -3, 2R mit -1 bis -3, Pirouetten mit Level 1 und 2 (Ich habe sie nicht laufen gesehen, aber man hat mir erzählt, dass sie alle beiden Elemente 3fach gesprungen ist und sie ihr downgegradet wurden.))
Für mich persönlich ist es sehr wichtig einen Unterschied zu machen, ob eine Läuferin nur doppelt springt, oder einen versuchten 3fachen downgegradet bekommt, denn ich finde es noch immer nicht richtig, dass Risiko in diesem Wertungssystem nur bestraft wird.
Ich habe lange überlegt, ob ich die Ergebnisse mit weiteren Ausführungen kommentieren soll, habe mich aber dagegen entschieden. Das einzige, das ich aus eigener Sache noch hinzufügen möchte, ist, dass ich im Technischen Wert den 3ten Platz im Kurzprogramm erreicht habe, jedoch über die Components noch auf den 5ten zurückgeworfen wurde.
Die Aufregung nach dem KP der Damen war groß, und es gab ein paar Läuferinnen und Trainer, die mit dem Resultat nicht ganz zufrieden waren. Irgendwie erinnerte mich die ganze Situation an die Deutschen Meisterschaften aus dem letzten Jahr. Zwar hatten wir kein vergleichbares Niveau, aber vergleichbar seltsame und für manche nicht nachzuvollziehende Ergebnisse :)
Nach den Damen war Viktor an der Reihe. Er lieferte ein gewohnt stabiles KP mit tollen Sprüngen und Pirouetten und erreichte mit 3F+3T, 3L (+2), 2A und den Levels 3 und 4 ein Punktzahl von 68,50.
Der Zeitplan des Kürtags war sehr eng bemessen. Wir mussten vom Training direkt nach Hause, um uns zu schminken und vorzubereiten und um dann gleich wieder in die Eishalle zurückzukehren. Alle waren von diesem Stress etwas überfordert und viele hätten sich nach dem Training noch gerne eine Stunde ausgeruht.
Umso ärgerlicher war es, dass die Kür nicht wie geplant um 12 beginnen konnte, da das System, das den ganzen Vormittag funktioniert hatte, 30 Minuten vor Beginn abstürzte und ein Computer nicht mehr vollständig zum Funktionieren gebracht werden konnte.
Anfänglich teilte man uns noch mit, dass wir uns warm halten sollten, da die Kür um ca. 10 Minuten später beginnen würde. Leider stellte sich schnell heraus, dass dies sehr optimistisch gedacht war und schon bald saßen die Sportlerinnen müde in der Skaters Lounge ohne zu wissen, wann man zur Kür antreten konnte.
Meiner Meinung hätte man uns nach Hause schicken müssen, anstatt uns die ganze Zeit hinzuhalten. Alle Trainer und Läufer überlegten schon zu streiken.
Besonders ärgerlich war es, dass man uns versprochen hatte, uns, sobald das System wieder funktionstüchtig war, eine erneute Aufwärmzeit von ca. 1h zu geben.
Aus dieser Stunde wurden 15 Minuten und schließlich kamen 3 der 4 Sportler (ich ebenfalls) zu spät zum Einlaufen (Eigentlich hatte man abgemacht, nur zu viert aufs Eis zu steigen, um allen Starterinnen die gleichen Möglichkeiten zu geben. Eine Abmachung an die sich gottseidank auch 3 der Trainerinnen hielten).
Unaufgewärmt, müde und ziemlich schlecht gelaunt mussten wir unsere Küren laufen. Kerstin Frank hatte noch dazu das Pech sich bei einem Sturz zu verletzen. Sie musste die Kür abbrechen.
Ich hatte Startnummer vier und wie schon am Vortag war die Wartezeit vor der 4 sehr, sehr lange. Ich kann leider nicht sagen, wie lange ich am Eis herumlief um auf meinen „Auftritt“ zu warten, aber es schien ewig.
Die Möglichkeit ein 2tes Mal einzulaufen lehnten meine Trainerinnen und ich ab und irgendwann wurde ich zur Kür aufgerufen.
Danke an die Fans von der Tribüne gegenüber :) Ihr habt mich wenigstens bei Laune gehalten *gg*
Das Kürergebnis (es wurden natürlich doppelte gesprungen, aber ich erwähne nur die 3fachen und 2A):
1. Kreuzer Andrea (3T+1T mit -1, 2A, 3T)
2. Freudelsperger Kathrin (3T+2T)
3. Mangi Astrid (zwei 2A)
4. Kögl Denise (2A, 3S gestürzt)
5. Mooslechner Sarah (3S, 3T gestürzt, 2A, 2S (3fach gesprungen und downgegradet) mit -2)
6. Liang Ying-Yu (3S mit -1 bis -2, 2A-2R mit -2, 2A gestürzt)
7. Luftensteiner Anni
Im Endergebnis sehen die Platzierungen gleich aus, außer dass die Plätze 6 und 7 getauscht sind.
Generell gesehen mag das Niveau ja nicht sehr hoch scheinen. Ich muss aber dazu sagen, dass es gegenüber dem letzten Jahr einige 3fache mehr gegeben hat, und man auch im Training 4 Läuferinnen hatte, denen es möglich war, recht sicher 2 verschiedene 3fache zu zeigen.
Auch wenn es noch dauern wird, aber das Niveau steigt an.
Besonders gratulieren möchte ich außerdem unserer lieben Astrid, die es geschafft hat bei ihrer 1. Staatsmeisterschaft gleich eine Bronzemedaille zu gewinnen.
Nach den Damen war wieder Viktor an der Reihe. Er zeigte 3L+3T, 3L, 3F+2T,… und erreichte eine Kürpunktezahl von 118,10 und qualifiziert sich wie erwartet locker für die EM in ca. 4 Wochen.
Am Abend des Kürtages gab es einen Empfang im Landhaus, bei dem auch schon die Junioren teilnahmen. Neben Ansprachen von Trixi Schuba und anderen wichtigen Persönlichkeiten wurde Frau Solar für ihre langjährige und erfolgreiche Trainertätigkeit geehrt.
Die österreichische Junioren-Staatsmeisterschaft:
Gleich am nächsten Tag ging es mit der Juniorenmeisterschaft weiter.
Ich hatte mein Pensum erfüllt und konnte mit Katrin und Viktor die Rolle der Zuschauer genießen.
Das System schien sich endlich aufgewärmt zu haben und lief bei den Junioren eigentlich ohne größere Ausfälle, was für die TeilnehmerInnen eine große Erleichterung war.
Bei den Damen traten 12 Starterinnen an. Diese geringe Anzahl an Teilnehmerinnen entstand vor allem durch die neue Kürklassenregelung (KKL 7 (-2AxelKKL) für Juniorenstaats ist jetzt Pflicht) und durch einige Ausfälle zustande (Kunisch und Ellensohn verletzt. Einschwanger krank). Außerdem hat wohl auch die Zusammenlegung mit der Seniorenstaats mindestens 2 weitere Starterinnen verhindert (Kögl zurückgezogen. Frank bei ÖM verletzt.)
Es gab jedoch ein paar Mädchen, die sich der Doppelherausforderung Senioren- und Juniorenmeisterschaft stellten (Freudelsperger, Mangi, Liang).
Ein 4Tage-Programm zu absolvieren ist sicher nicht einfach und wie ich von unserer Astrid weiß, ist es eine ziemliche vor allem mentale Herausforderung. Ich möchte hiermit den Hut vor den 3 Starterinnen ziehen, die diese wirklich bravourös gemeistert haben.
Im Kurzprogramm konnte sich, wie erwartet, die Favoritin Kathrin Freudelsperger (3T+2T, 2A, 2L mit -2, Pirouetten Level 3 und 4) vor unserer Astrid (2F+2R, 2A mit -2, 1L, Pirouetten Level 3) durchsetzen. Überraschend war aber das gute Abschneiden unserer beiden Youngsters :) Nicole und Sandy. Nicht weil wir den beiden die Platzierungen 3 und 4 nicht zugetraut hätten, sondern weil es ihre erste Juniorenstaats war und das doch immer ein bisschen nervös macht. Beide Mädchen zeigten eine gute 2F+2R Kombination. Nicole konnte auch ihren 2A landen. Dieser wurde ihr aber auf einfach abgewertet. In den Pirouetten erhielten beide Mädchen die Levels 2 und 3.
Weitere 2Axel gab es von der 5. Belinda Schönberger (versuchte 3S Kombination – Sturz), der 6. Kerstin Sommergruber und der 7. Ying-Yu Liang (mit -1).
Achte wurde das große Nachwuchstalent Miriam Ziegler. Die erst 11-jährige Debs-Läuferin des EKEs konnte mit den ca. 3-7 Jahre älteren Mädchen sehr gut mithalten und hinterließ einen positiven Eindruck.
(9. Stickelberger, 10. Grill, 11. Haslhofer, 12. Meiböck)
Ich habe leider kein Protokoll der Junioren Herren. Kann aber berichten, dass Manuel Koll (3L, 2A, ?? – Manuel melde dich :) ) vor Zabato Bebe (3T+2T, 2A, beim Lutz leider nicht einmal das Eis verlassen, aber wohl das beste und engagierteste KP, das ich in den letzten Jahren von ihm gesehen habe) und Severin Kiefer in Führung ging.
Gut ich bin auch wirklich spät ins Bett gekommen, aber dass Astrid so früh aufstehen musste, war wirklich nichts, um das ich sie beneidete. Doch ohne zu meckern und mit einer unglaublichen Rücksicht auf eine noch schlafende Sarah (Danke Schatzi :) ) machte sie sich am Kürtag sehr früh auf zum Training.
Katrin und ich quälten uns erst um kurz vor 9 und nur auf gutes Zureden von Zabato (böses Kind :) ) aus dem Bett und in den Frühstücksraum.
Doch schon um 12 saßen wir wieder gespannt in der Halle. Die Entscheidung bei den Damen stand an.
Astrid war guter Dinge und auch Kathrin Freudelsperger siegeswillig.
Dass diese beiden Läuferinnen sich um die Plätze 1 und 2 und den daraus resultierenden JWM-Start streiten würden, war eine ziemlich fixe Angelegenheit. Der Kampf um Platz 3 versprach da schon etwas mehr Spannung.
Letztendlich sah das Endresultat dann wie folgt aus:
1. Freudelsperger (3T+2T, 2S gestürzt (3fach und downgegradet))
2. Mangi (insgesamt 4 mal 2A (2mal mit -2))
3. Franclova (2A+2T, 2A gestürzt)
4. Laurencik (1A gestürzt (doppelt und downgegradet), 2L+2R+2R)
5. Schönberger (2A+2T, 2A, ich glaube 3S gestürzt und downgegradet)
6. Sommergruber (2A, 3S mit -1 bis -2, 2A gestürzt)
7. Liang (2S mit -1 bis -3 (downgegradet), 2A, 2A mit -1 bis -2, 2A mit -1)
8. Stickelberger (Doppelsprünge)
9. Grill (2A gestürzt, 2Lz+2T+2R)
10.Ziegler (2S mit -2 bis -3 (3fach downgegradet), 1A gestürzt (doppelt downgegradet)
11.Meiböck (Doppelsprünge)
12.Haslhofer (Doppelsprünge)
Bei den Herren lautete das Endresultat gleich wie im KP. Leider war keine der Küren sehr gut. Man muss aber beachten, dass der Sieger Manuel Koll wirklich lange verletzt war und noch immer etwas unsicher ist. Ich bin mir sicher, dass er schon bald seine gewohnte Souveränität zurückerlangen wird.
Bei der Siegerehrung gab es leider noch eine kleine Enttäuschung für Nicole. Da sie keine österreichische Staatsbürgerin ist, wurde ihr die Bronzemedaille nicht verliehen. So gab es 2 Siegerehrungen – eine mit Nicole am dritten und eine mit Sandy am dritten.
Da beide Mädchen aber Freundinnen sind und keine etwas für diesen Umstand kann, war dies kein Problem. Nicole weiß, dass sie den dritten Platz erlaufen hat und Sandy freut sich aufgrund der erlangten Bronzemedaille.
Gleichzeitig mit den Juniorenstaats fanden auch die SYS-Meisterschaften statt. Einziger Teilnehmer war die Gruppe Sweet Mozart aus Salzburg. Ich kenne mich leider bei SYS gar nicht aus und erlaube es mir deswegen nicht darüber zu urteilen, wie die Leistung international einzuschätzen ist. Eins ist auf jeden Fall sicher – mit Sweet Mozart in der Halle hat man wenigstens ein bisschen Stimmung während der sonst eher bescheiden besuchten Veranstaltung.
LG eure Sarah